Eine Rezension für „Lesepunkte“ von Katharina Papadimitriou: „Unter uns das Meer“ (A. Gaige) – Ergreifend und tragisch

Juliet Partlow lebt gemeinsam mit ihrem Mann Michael und ihren beiden Kindern ein amerikanisches Vorstadtleben. Michael kann seine kindheitstraumatisierte, depressive Ehefrau, die bereits eine lange Zeit an ihrer Dissertation arbeitet, für seinen Traum begeistern: Ein Jahr auf der Segelyacht „Juliet“ leben und dabei die Karibik zu erkunden.

Katharina mit dem von ihr rezensierten Roman „Unter uns das Meer“ von Amity Gaige

Das schlichte Cover, welches eine Welle vor einem ockerfarbenen Hintergrund darstellt, spricht mich persönlich an und erweckt in Kombination mit dem Titel des Romans „Unter uns das Meer“ Spannung und ein Gefühl von Ruhe.


Amity Gaige entscheidet sich in ihrem, aus dem amerikanischen Englisch, von André Mumot übersetzten Roman, mehrere Perspektiven einzunehmen; Juliet berichtet aus der Gegenwart, die Zeit nach der Rückkehr, der nun dreiköpfigen Familie. Michael, der Vater, stirbt während der Reise an dem Denguefieber, welches über Moskitostiche übertragen wird. Die daran Erkrankten fühlen sich, als seien all ihre Knochen gebrochen. Michaels Gedanken und Erfahrungen werden anhand seines Tagebuches, welches er auf der Reise führte, dargelegt. Dieses bekommt Juliet nach seinem Tod in die Hände und muss es letztlich der Polizei für Untersuchungen überreichen. Zudem finden sich vor allem am Ende des Romans mehrfach Passagen der Tochter Sybil.


Durch den/die wechselnde*n Erzähler*in wird die Spannung beim Lesen verstärkt, da besonders in Passagen des zügigen Wechsels die differente Denkweise der Personen hervorgehoben wird. Somit werden des Öfteren die konträren Ansichten des Paares involviert, deren verschiedenen Gedankengänge in banalen Situationen oder auch der sich unterscheidende Umgang in einer Streitsituation.
So gerät in einer Situation der opportunistische Mann mit seiner Frau Juliet bei einem Kindergeburtstag in ein Streitgespräch. Es geht darin um die Thematik, dass einige Eltern das Spiel „Reise nach Jerusalem“ negativ bewerten, da es kapitalistische Züge bei den Kindern entwickeln könnte. Doch sieht Micheal das Problem bei den Leuten, die sich über alles beschweren und sich schließlich, wie auch seine Frau, dem Kapitalismus, aufgrund ihres ausgeprägten Konsumverhaltens, bedienen.


Bei diesem Punkt spielt die Rolle der siebenjährigen Sybil eine bedeutende Rolle, welche in solchen Situationen wie diesen ihre Elternteile vergebens zu besänftigen versucht. Dabei wiederrum hebt die Autorin den Zusammenhalt der Eltern hervor.


Der Roman ist in zehn Teile gegliedert und schließlich folgen unter anderem informative Mails des Harry Borawski, durch dessen finanziellen Unterstützung Micheal sich die Yacht leisten konnte. Es kommt heraus, dass sie abmachten, Michael könne ein Jahr lang das Boot für sich und seine Familie nutzen. Doch erzählt dieser seiner Frau nichts von der Abmachung, die sich anderweitig gegen die Reise entschieden hätte, wenn sie gewusst hätte, dass sie dadurch in finanzielle Nöte geraten.


Beim Lesen empfand ich, dass das Buch sich leicht lesen ließ, doch stören an einigen Stellen inhaltliche Wiederholungen, bedingt durch die beiden Perspektiven sowie einige langatmige Ausführungen. Zudem sind an einigen Stellen des Perspektivenwechsels unpassend, wenn beispielsweise eine emotionale Schilderung der Mutter spannend war.


Zugesagt hat mir jedoch grundsätzlich die Art der Erzählung, da durch diese verschiedenen Perspektiven und dem ergänzten Material auf den letzten Seiten eine gelungene Abwechslung geschaffen wurde. Außerdem rundet es die Handlung inhaltlich ab.


Anhand der Danksagung der Autorin Amity Gaige spürt man, wie viel Mühe und Liebe, vor allem durch ihre eigene Schiffsreise und dem Integrieren verfasster Passagen ihrer eigenen Kinder, in diesem Buch steckt.


Meines Erachtens handelt es sich hierbei um ein gutes Buch, welchem ich dementsprechend 3 von 5 Lesepunkten gebe.
Zurückblickend auf meinen Eindruck zum Cover, ist „Unter uns das Meer“ viel mehr ergreifend, als entspannt. Es lässt die Leser*innen die Familie hautnah auf ihrer Reise mit dem tragischen Ende begleiten.
Für die Zielgruppe ab 16 Jahren kann der Roman sehr spannend und packend sein.

Katharina Papadimitriou in Kooperation mit „Lesepunkte“

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