Linas Rezension: ADRIANA POPESCU: MEIN SOMMER AUF DEM MOND

In diesem Buch lernt man nicht nur Seemannsknoten, sondern was fürs Leben. Komm mit ins Therapiezentrum und lerne vier ganz besondere Jugendlichen kennen – sie werden dich nicht mehr so schnell loslassen.

Der Jugendroman „Mein Sommer auf dem Mond“ wurde von Adriana Popescu verfasst und spielt auf Rügen. Die 39-jährige Drehbuchautorin gab 2012 mit „Versehentlich verliebt“ ihr Debut und veröffentlicht seitdem mindestens ein Buch pro Jahr.

Direkt wird klar, dass die 16-jährige Fritzi sich nicht sonderlich freut, ihren Sommer in dem Therapiezentrum auf Rügen zu verbringen. Ihr Therapiegrund sind Panikattacken. Sofort lernt Fritz Basti kennen, der schon zum zweiten Mal dort ist. Mit ihm, dem sportlichen Tim und  der schüchternen Sarah gehört sie zu der Therapiegruppe „Astronauten“. Von ihrem Betreuer Ole werden die Astronauten mit dem Boot aufs Meer geschickt. Dabei lernen sie sich gegenseitig kennen und versuchen, das Verhalten der anderen einzuordnen. Ständig fragt sich Fritz, weshalb Bastian oft so einen leeren Blick in den Augen hat und wieso Tim seiner Freundin Vicky nichts von seinem Aufenthalt auf Rügen gesagt hat. Wieso kann Sarah in ihrer Rolle als Kapitänin des Segelboots total selbstbewusst sein und im nächsten Moment niemandem in die Augen schauen? Nach Anfangsschwierigkeiten entstehen mitreißende Freundschaften. Sie treffen sogar ihre erste große Liebe – alles scheint perfekt. Doch am Besuchertag verschwindet Fritzi plötzlich und für die Rettungsaktion wird vor allem Basti mit seiner Vergangenheit konfrontiert. Dann soll Sarah das Therapiezentrum verlassen und wieder die normale, „ungeschützte“ Welt betreten, wo sie doch jeder kennt. Und dann müssen darüber hinaus auch noch zwei der Astronauten auf die geschlossene Station, ohne Kontakt zu den anderen…

„Mein Sommer auf dem Mond“ ist ein tolles Buch, bei dem man richtig mitfühlen kann. Abwechselnd wird aus der Perspektive von Basti und Fritzi erzählt, wodurch man schnell weiß, wieso sie in Therapie sind. Durch die Gespräche mit ihren ZimmergenossInnen Tim und Sarah erfährt man mehr über ihre Krankheiten. Im Verlauf des Buches stellen sich auch deren Therapiegründe heraus. Das Buch ist sehr authentisch, weil man alle Beweggründe nachvollziehen kann und sie einen nicht mehr so schnell loslassen.

Popescu schreibt kurze Kapitel, wodurch es spannender ist, die Situationen durch beide Perspektiven zu sehen. Jedes Kapitel trägt einen Filmtitel oder Serien als Beinamen. Wenn man den Film kennt, fallen einem die Filmzusammenhänge ein. Das macht das Lesen noch interessanter und lustiger. Besonders bei den dem Kapitel „Gossip Girl“ habe ich direkt die Verbindung gespürt.

Zu Anfang zieht sich das Buch etwas, bis man alle Protagonisten kennengelernt hat, doch ab der zweiten Hälfte passieren ständig unerwartete Dinge. Beim Besuch der Eltern fiebert man als LeserIn richtig mit und hofft, dass alles gutgeht und keiner enttäuscht wird. Bei Fritzi ist das nicht der Fall und dann wird die Geschichte erst richtig spannend und man kann gar nicht mehr aufhören zu lesen.

Gerade wenn man sich mit einem Astronauten freut und denkt, dass alles besser wird, passiert schon wieder was Neues. Durch diese Erfolgserlebnisse und auch Rückschläge wird die Ernsthaftigkeit psychischer Probleme deutlich. Trotz des leichten und humorvollen Schreibstils muss man als LeserIn manchmal innehalten und die Jugendlichen für ihren Mut und ihre Stärke bewundern. Das ernste Thema wird sensibel vermittelt und berührt einen, ohne zu bedrücken.

„Mein Sommer auf dem Mond“ ist ein sehr gelungenes Buch – trotz der schweren Thematik psychischer Probleme bei Jugendlichen, die in einem lockeren und unterhaltsamen Schreibstil gut an Jugendliche ab 14 vermittelt wird. Von mir gibt es 4 von 5 Lesepunkten, da der Einstieg und die Anfänge des Kennenlernes etwas langatmig sind. Der Rest ist aber umso spannender und berührender. Ich habe mit dem Buch meinen eigenen Sommer auf dem Mond mit den Astronauten verbracht und ich werde noch lange an Basti, Fritzi, Sarah und Tim denken.

Lina Frerichs

Veröffentlicht auf LESEPUNKTE

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