Katharinas Rezension: AMINA BILE, SOPHIA NESRINE SROUR UND NANCY HERZ: SCHAMLOS

Amina Bile, Sophia Nesrine Srour und Nancy Herz sind drei Bloggerinnen, Feministinnen und Muslima. Aus dieser Perspektive schildern sie ihre Geschichte. Sie erzählen jeweils ihren Lebensweg und ihre persönliche Entwicklung. Dabei geht es um das Zusammenspiel von elterlicher Erwartung, Identitätsfindung und kulturellen Herausforderungen. Die Norwegerinnen beschreiben, wie es ist, sich in den verschiedensten Situationen hin- und hergerissen zu fühlen. Sie sammeln Erfahrungen, vergleichen diese und diskutieren darüber.

Ich halte das Buch in der Hand und mir springt sofort sein liebevoll gestaltetes Cover ins Auge und ich schlage es sofort auf, um es durchzublättern. Dabei sehe ich Seiten in den verschiedensten Farben, Listen oder Diagrammen, schöne Zeichnungen und Fotos von Personen, welche mich selbstbewusst anstrahlen.

Eingeleitet wird „Schamlos“ mit der Motivation der Autorinnen. Sie beleuchten den Begriff „Scham“ aus ihrer Perspektive.
Es folgt das erste Gespräch zwischen den Protagonistinnen, über ihre Definition von „sozialer Kontrolle“.
„Ratschläge“, die sie im Laufe ihrer Jugend bekamen, folgen. Sie sind zynisch formuliert. Einer der 45 Ratschläge ist dieser: „Vergiss nicht, dass du kein Junge bist.“ Hier wird an die ungerechte Rollenverteilung, unter der einige junge Muslima leiden, erinnert.

Das Buch wechselt zwischen Geschichten von Leserinnen, welche anonym über ihre Erfahrung zu einem Thema berichten und Gesprächen zwischen den Autorinnen, worin der Leser bzw. die Leserin deren persönlichen Erlebnisse erfährt.
Es gibt auch Diagramme, die die Entwicklung des Schamgefühls (10 bis 20 Jahre) von Nancy, Amina und Sofia abbilden, und sie verfassen bedacht Briefe aus heutiger Sicht an ihr früheres „Ich“.

Außerdem schildert Sofia beispielsweise, wie sie sich am 17. Mai, einem norwegischen Nationalfeiertag, getreu diesem Tag verkleidete. Damit wollte sie ein Statement setzen, doch fiel ihr später auf, dass sie aufrund ihres Anpassens trotzdem herausstach. Hier bekommt der Leser bzw. die Leserin auch einige Fotos von der strahlenden Abiturientin zu sehen.

Zudem fließen Thematiken wie die des Schwimmunterrichtes, der Partygänge und die der Jungfräulichkeit ein. Die Autorinnen bemerken dabei auch hier, dass für Jungen und Mädchen unterschiedliche, von der Gesellschaft vorgegebene Regeln gelten.
Passend dazu schreibt Amina über die Dominanz, welche Jungen und Männern durch ihr Geschlecht zugeschrieben wird, unter der Überschrift „Der heilige Penis“.

Mit der Angst der elterlichen Enttäuschung, die Forderungen und Normen nicht zu erfüllen, müssen sich jugendliche Muslima quälen, denn ihnen wird suggeriert, sie seien für den Ruf und Ehre ihrer Familie verantwortlich und könnten den Ruf der Familie zerstören. Dies erzeugt enormen Druck bei ihnen.
Abgeschlossen wird das Buch mit Versprechen und Forderungen der Autorinnen, wie zum Beispiel „Wir versprechen, dass du ernst genommen wirst.“ und „Wir fordern, eine ausgewogene Vertretung aller Geschlechter […]“.

Beim Lesen hat mich erstaunt, wie flüssig einem das Buch von der Hand geht. Es ist in leichter Sprache geschrieben und enthält am Schluss hinreichend Worterklärungen und Informationen. Da verschiedenste Themen beleuchtet werden, welche nicht unbedingt aufeinander aufbauen, können Abschnitte auch einzeln gelesen werden. Zudem ist das Buch ansprechend illustriert, da es reichlich Bilder und Zeichnungen beinhaltet. Außerdem erstellen die drei unter anderem eine Pro- und Contra Liste zum Hidschab und verfassen Briefe. Dies macht es zusätzlich, zu dem persönlichen Inhalt, nochmal privater und zugänglicher. Jedoch befasst das Buch sich inhaltlich für mich persönlich nicht mit viel Neuem, da ich mich mit dem Thema schon etwas auskannte.

Meines Erachtens handelt es sich um ein sehr gutes Buch. Dementsprechend vergebe ich 4 von 5 Lesepunkten. Es war ein Erlebnis, es zu lesen, da es sich um ein Buch einer „anderen“ Art für mich handelt. „Schamlos“ ist ein authentisches, mutiges und ehrliches Buch.
Es wurde verfasst für alle Interessierten und Toleranten, die sich mit anderen Kulturen beschäftigen wollen. Besonders für die Zielgruppe heranwachsender Mädchen (ab 12 Jahren) kann es informierend, interessant und inspirierend sein. Dass auch Jungen in diesem Alter sich mit „Schamlos“ auseinandersetzen können, möchte ich auf keinen Fall dementieren.

Katharina Papadimitriou

Veröffentlicht auf LESEPUNKTE

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s