Sie hat immer noch Lampenfieber

Ninia La Grande -Bloggerin, Autorin, Journalistin, Poetryslamtalent…Was kann die eigentlich nicht?!

Es ist sieben Uhr abends, wir sitzen unter der großen Kastanie, nicht fern vom Küchengarten und versuchen verzweifelt, etwas über diese mysteriöse Persönlichkeit in Erfahrung zu bringen, der wir gleich live begegnen werden. Doch nichts – kein Wikieintrag, nichts auf gutefragepunktnet – nur viele ihrer Artikel über Frauenarztbesuche, Spaziergänge, komische Mitmenschen und Zugfahrten.

Das ist ihr Spezialgebiet – Alltagsgeschichten, die von jedem anderen belanglos klingen würden, in ihren sehr direkten Erzählungen jedoch ein wunderbaren Witz und eine Frechheit erhalten – das macht sie so einzigartig.

Ich mag meine Frauenärztin. Sie lobt mich immer für meine Brüste – ziemlich nett, wer macht das sonst im Alltag.

Woher wir das wissen? Von Youtube natürlich. In unzähligen Videos, unter anderem auch von ZDF und SAT1 zeigt sich uns vor allem Eines : Ninia La Grande floriert.

Umso aufgeregter sitzen wir jetzt hier auf der Wiese. In einer Stunde beginnt die Show zum zehnjährigen Jubiläum der Nachtbarden, einem Zusammenschluss von Poetryslammern aus ganz Hannover, im TAK, dem Theater am Küchengarten. Wir hoffen auf ein Interview mit der Poetryslammerin, die dort heute zu Gast sein wird.

Eine halbe Stunde später gehen wir an der netten Frau am Eingang, die wir schon mehrmals nervös passiert haben, vorbei. Sie nickt uns nett zu. Oben im Showsaal stehen Samtstühle, die alten Legenden aus dem Apollokino, in vielen Reihen um die kleine Bühne verteilt. Die Kellner, allesamt edel gekleidet, bringen auf Tabletts Essen zum dem größtenteils erwachsenen Publikum. Irgendwie fühlt man sich hier als Jugendlicher ein bisschen fehl am Platz. Jedoch auch ein wenig Stolz im Anbetracht der Tatsache, dass wir ihnen anscheinend sehr kultiviert vorkommen. Wo doch Jugendliche ihrer Meinung nach immer nur muffig in ihren Zimmern hocken und sich wie gefährliche Tiere verhalten.

Wir setzten uns und warten. Die Minuten ziehen sich und als die Lichter verblassen und die Menge endlich verstummt ist eine Viertelstunde vergangen. Dann heißt es immer Erwachsene hielten sich immer an Verhaltensregeln.

Die Scheinwerfer fokussieren die Bühne und die eher unscheinbar wirkenden Künstler darauf. In den nächsten zwei Stunden schaffen sie es, nur mit der Kraft von Worten das Publikum zu unterhalten und zu fesseln. Die Show zu beschreiben, ist wie von einem Film zu erzählen – klappt nicht so gut. Empfehlung: einfach mal selber angucken. Auch die Person, wegen der wir überhaupt gekommen sind, tritt auf. Ninia LaGrande ist vermutlich die berühmteste Person, der wir je begegnet sind- sie war ja schon im Fernsehen.

Die Show ist zu Ende und wir treffen uns mit ihr zum Interview, was sie uns einfach gegeben hat. Grundsätzlich ist sie viel unkomplizierter und nahbarer, als wir es uns vorgestellt haben. Etwas aufgeregt und ganz und gar nicht so professionell, wie wir es uns gewünscht hätten, beginnen wir .

Wie alt sind sie ?

34 ( lacht, während sie nicht wie 34 aussieht )

Wie sind sie zum Poetryslammen gekommen?

Ich mach das jetzt seit zehn Jahren, habe studiert damals in Göttingen, da gab es einen Poetryslam im kleinen Campustheater. Da war ich ein, zweimal, hab zugeguckt und die haben dann gesagt, man kann da selber mitmachen. Ich hab auch geschrieben, hab dann gedacht „okay ich probier das dann mal“,war ganz gut, nicht so schlimm, wie ich es mir vorgestellt habe. Dann bin ich einfach drangeblieben.

Was war bisher ihr größter Erfolg durchs Poetryslammen?

(Antwortet ein bisschen stolz)Wettbewerbstechnisch war das letztes Jahr, als ich im Halbfinale der deutschsprachigen Meisterschaften gekommen bin. Ansonsten hat man halt durchs Slammen die Möglichkeit, viel zu reisen, tolle Leute kennenzulernen und immer neue Aufträge zu bekommen. Das ist auch schon viel Wert.

Sie waren auch schon bei SAT1, oder?

Ja, bei Luke!(lacht) Er hat ein Video von mir im Netz gesehen und dann in der Redaktion gesagt:“Die müssen wir einladen!“

Sie reden ja oft über Alltagsgeschichten. Ist es so, dass die auch alle so passiert sind, oder dichten sie da noch was dazu?

Es gibt ein paar Geschichten, die tatsächlich genauso passiert sind, andere sind von Freunden. Ich sag natürlich nicht von welchen!( lacht) Im Regelfall treibe ich meine Alltagsgeschichten noch auf die Spitze, aber ganz oft sind die mir auch genauso passiert.

Ist es ihnen schon mal passiert, dass niemand im Publikum ihre Witze lustig fand?

Ja

Wie gehen sie damit um?

Das ist das Schlimmste, was einem passieren kann… Das merkt man im Regelfall schon beim Betreten der Bühne, wenn man den ersten Absatz gelesen hat, so merkt, „Das ist nicht mein Abend, das Publikum findet mich richtig scheiße.“ Dann lese ich richtig schnell, weil man will irgendwie weg von der Bühne…Das passiert einfach… Da muss man dann durch!

In ihren Videos reden sie häufig über ihre Größe, glauben sie, dass auch das zu ihrem Erfolg beigetragen hat?

Ja ich glaub einfach, dass es zur Bekanntheit beiträgt, weil da auch ein gewisser Wiedererkennungwert ist. Der Name „LaGrande“ spielt ja auch ein bisschen darauf an. Ich finde es aber wichtig, es zu thematisieren. Wenn ich das gar nicht auf der Bühne machen würde, würden ich die Leute auch fragen : „Was sagt sie jetzt dazu?“. Das ist sicherlich ein Teil, aber wenn ich Kacktexte schreiben würde, könnt ich noch so klein sein.

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Jetzt unsere letzte Frage: Haben sie auch manchmal noch Lampenfieber vor Auftritten oder ist es Gewohnheit geworden?

Ich habe ganz schreckliches Lampenfieber. Am Anfang, als ich mit dem Slammen angefangen habe, war es so schlimm, dass ich mich manchmal im Zug übergeben habe. (lacht) Das ist jetzt nicht mehr so schlimm, aber Aufregung gehört auf jeden Fall dazu, sonst ist man auf der bühne auch nicht gut.

Vielen dank für das Interview

Bitteschön!

Ein Artikel von Jorrit Konert und Franziska von Holt

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