Schülerin auf vier Pfoten

Schulhündin Lilly schleicht vorbei und zaubert Schülern ein Lächeln auf die Lippen.

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Schulhündin Lilly spielt im Sandkasten


„Lilly: Down!“, sind die Worte von Almut Kuchmetzki-Mull, die sie auf einem Spaziergang, bei leicht bedecktem Himmel, ihrer Border Collie-Hündin zuruft. Diese reagiert sofort und legt sich vor ihr Frauchen auf das feuchte Gras, das im Sonnenlicht schimmert. An dem so harmonisch funktionierenden Pärchen fährt ein Radfahrer vorbei, nickt kurz zu und ruft: „Danke, das ist aber ein toller Hund.“ Die in Jeans und dunkelgrüner Regenjacke gekleidete Hundebesitzerin lächelt zurück und kommentiert, dass dies eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte, da es viele Menschen gibt, die Angst vor Hunden haben. Wenn auf diese ein Hund zu sprintet und die Ängstlichen ihre Arme hochreißen, versteht der Hund dies als Aufforderung zum Spielen. Kleine Kinder sollten besonders geschützt werden, da sie oft einen Stock in der Hand halten und Hunde, wie jeder weiß, gerne geworfenen Stöcken nachjagen. „Lilly hat ihre Frisbee-Scheibe, damit sie nicht Stöcken  nach rennt  und besondere Rücksicht auf Kinder und Schüler nimmt“, erklärt die zweifache Mutter.

Dies ist wichtig, da Lilly ihr Frauchen in die „Berufsbildenden Schulen Goslar-Baßgeige“ begleitet. In den dort vorhandenen unterschiedlichen Schulformen, von der gymnasialen Berufsschule bis zur Lebenshilfe, wird Lilly mit ihrem Hundebruder Phantomas je nach Situation eingesetzt.

Schulhunde verbessern im Allgemeinen das Raum- und Förderklima und die Schüler-Lehrer-Beziehung. Zusätzlich wird bei Schülern mehr Motivation und Arbeitsbereitschaft ausgelöst und damit das Erreichen von Förderzielen im Bereich der Sachkompetenzen unterstützt. Außerdem ist eine Steigerung der Selbst- und Sozialkompetenz im Umgang mit Tier und Mensch spürbar.

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Lilly und Phantomas

 

Die Berufsschullehrerin erzählt, dass eine Schülerin immer stotterte und große Angst vor Referaten und Vorträgen hatte. Als sich ein Hund vor sie legte, konnte sie plötzlich frei sprechen, da sie Nähe und Zuneigung spürte. Allein die Anwesenheit eines Schulhundes macht die individuelle Förderung eines einzelnen Schülers möglich. Ältere Hunde, die in der Grundschule eingesetzt werden, sind meistens „Lesehunde“. Die Schülerinnen und Schüler können den Hunden gut vorlesen, da diese geduldig zuhören, den Vorlesenden nicht verbessern, benoten und durch die Nähe Sicherheit geben. Schulhündin Lilly eignet sich jedoch nicht so gut zum Zuhören beim Vorlesen. Bedingt durch ihre Rasse ist sie ein eher aufgewecktes Tier mit viel Ausdauer. Sie bringt Freude und Lebensmut in den Unterricht. Ihre Besitzerin erzählt: „Manchmal verlässt Lilly ihre Box, in der sie sich während des Frontalunterrichtes aufhält, und tappst zu den Schülern, denn im Endeffekt ist sie deren Verbündete.“ Während Lilly an Frau Kuchmetzki-Mull unbemerkt vorbeischleicht, beginnen die Schüler zu lächeln. „In manchen Fällen wird es Lilly erlaubt, sich zu den Schülern zu legen, da sie, ihrer Rasse gemäß, immer die Gruppe beschützen möchte und sich mitten in die Klasse unter einen Tisch legt.“ Dazu trainiert Lilly schon seit Monaten, ihr Futter mit einem Eimer zu holen; denn Ziel ist es, dass sie am Ende des Schuljahres die Zeugnisse in die Klasse bringt. Lilly bekommt in der Küche einen alten Joghurt Eimer in ihr Maul, den sie in den Vorratsraum trägt. Die Besitzerin begleitet sie und füllt dann aus einem 10 Kilogramm Sack das Trockenfutter in den Eimer. Anschließend muss Lilly den gefüllten Behälter in die Küche tragen, wo das Trockenfutter in ihren Napf gefüllt wird. „Sie bekommt übrigens nur Trockenfutter, damit sie nicht so einen üblen Mundgeruch hat und die Schüler sich nicht ekeln“ erklärt die Berufsschullehrerin.

Egal ob Schulhunde die kniffligsten Tricks können, besonders gut riechen, sich weich anfühlen oder hübsch ausschauen, sie alle müssen gut erzogen sein und viel Stress aushalten können. Zusätzlich muss eine stabile Gesundheit vorhanden sein, wozu regelmäßige Impfungen und Entwurmungen gehören. Wichtig ist aber vor allem, dass die Chemie zwischen Herrchen und Hund stimmt, da der Hund der Begleiter ist und genau aufs Wort hören muss.

Bis jetzt kommt der Unterricht mit Lilly bei den Schülern und dem Kollegium bestens an. „Zum Teil fragen mich Schüler, die ich nicht unterrichte, ob ich mal eine Stunde in ihre Klasse kommen könnte, um mit Hund und Schülern zu arbeiten. Wenn es sich ergibt und der Kollege einverstanden ist, mache ich das gerne.“, berichtet Frau Kuchmetzki-Mull. Die Arbeit mit Schulhunden bewirkt offensichtlich, dass Schüler lieber zur Schule gehen.

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Hütehund Lilly bei einem Spaziergang

 

Die Idee des Einsatzes eines Hundes im Schuldienst ist entstanden beim Suchen von Schulschwänzern in der Nähe der Schule. Einige Kollegen witzelten, Frau Kuchmetzki-Mull sollte die Schwänzenden einfach mal mit ihrem Hütehund einsammeln. Durch die Mitarbeit von Lilly ist dies geglückt und die Auffälligkeiten reduzierten sich. Zusätzlich werden Außenseiter aus ihrer Isolation geholt, positive Sozialkontakte stärker gefördert und die Lehrer anders beachtet. Schließlich ist die Hundehalterin begeistert, dass Lilly im Kollegium gut ankommt und auch den Lehren ein Lächeln auf die Lippen zaubert.

An einigen Schulen werden heutzutage Schulhunde eingesetzt und ausschließlich Erfolge gesammelt. Wäre es also nicht auch bei uns an der Wilhelm-Raabe-Schule möglich?

Diskutiert gerne in den Kommentaren, ob ihr Lust hättet, von ausgebildeten Hunden begleitet zu werden, welche Vor- und Nachteile es eurer Meinung nach geben könnte – und vielleicht findet sich schon schneller ein bereitwilliger Lehrer, als ihr denkt!

Diese Reportage entstand ebenfalls im Rahmen des FAZ-Projektes, an dem die ehemalige 10b (2014/15) teilgenommen hat.

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