Zehn Jahre Raabenfeder – das Interview

Katharina und Rebecca waren Schülersprecherinnen und Teil der Schülerzeitungsredaktion – ein Interview zum 10jährigen Jubiläum der „Raabenfeder“

Back To School: ein Interview mit Katharina Papadimitriou und Rebecca Radow

Eichenberg: Rebecca, Katharina, herzlich willkommen. Ihr seid wieder in eurer alten Schule. 2021 habt ihr Abi gemacht. Wie fühlt sich das an, wieder in der alten Schule zu sein? Katharina ist ja schon länger wieder hier.

Katharina: Genau, ich bin seit drei Wochen wieder hier, mache gerade mein vierwöchiges Praktikum im Rahmen meines Studiums. Ich fühle mich sehr wohl und wieder angekommen. Anfangs war es ungewohnt, durch die bekannten Gänge in einer anderen Rolle zu gehen. Aber es ist toll, bekannte Gesichter zu sehen und gleichzeitig viele neue kennenzulernen.

Eichenberg: In den letzten vier Jahren gab es viele neue Kolleginnen und Kollegen, nicht alles ist gleich geblieben. Rebecca, wie ist es bei dir?

Rebecca: Ich finde es sehr befreiend, nicht mehr an einem Ort zu sein, wo man bewertet wird. Gleichzeitig ist es auch sehr vertraut. Wenn man hier sitzt, denkt man: Da habe ich gesessen, als ich in Physik nichts verstanden habe. Oder man erinnert sich, wie man im Unterricht auf die Uhr geschaut hat. Einerseits fühlt es sich ewig her an, andererseits sofort wieder vertraut.

Alles bereit zum Interview!

Eichenberg: Bevor wir uns ins Jahr 2015 zurückbeamen, noch ein Blick auf 2025. Rebecca, du hast gesagt, es ist befreiend, nicht mehr schulpflichtig zu sein. Ich hatte aber den Eindruck, dass ihr beide eigentlich ganz gerne zur Schule gegangen seid. Ihr wart ja sehr aktiv – nicht nur in der „Raabenfeder“, sondern auch als Schülersprecherinnen, in der Abiorganisation und vielem mehr. Stimmt das?

Katharina: Ja, auf jeden Fall. Meine Oma aus Leipzig hat erst gestern gesagt: „Katharina ist immer gerne zur Schule gegangen.“ Das stimmt. Ich war gerne hier. Aber ich freue mich auch, jetzt in einer anderen Rolle hier zu sein. Man hat dadurch einen neuen Blick auf das Schulsystem, bringt Input aus dem Studium mit, lernt hinter die Kulissen zu schauen – Dinge, über die ich mir damals weniger Gedanken gemacht habe.

Eichenberg: Und du, Rebecca?

Rebecca: Bis zur 11. Klasse nicht wirklich. Wir waren ja der erste G9-Jahrgang. Anfangs habe ich mich nicht besonders engagiert. Aber es gab damals eine eingeschworene Gruppe, die das Schulleben geprägt hat. Als die weg war, entstand eine Lücke. Da habe ich gemerkt: Jemand muss sich einsetzen. Ab da bin ich gern zur Schule gegangen, weil ich den Alltag für andere verbessern wollte. Sonst wird man ja auch nicht Schülersprecherin. Gerade in der Corona-Zeit haben wir uns für Projekte eingesetzt, die sonst ausgefallen wären. Wir wollten kreative Lösungen finden – das war meine Motivation. Wenn niemand etwas macht, passiert auch nichts: keine Briefe zu Weihnachten, keine Theateraufführungen, keine Musicals. Das wollte ich ändern.

Eichenberg: Also eher der soziale Aspekt, die Schulgemeinschaft?

Rebecca: Genau. Und manchmal auch, sich gegen Lehrkräfte durchzusetzen. Katharina und ich haben zwei Jahre lang zusammen die Schülervertretung geleitet. Wir haben uns für Veranstaltungen eingesetzt, aber immer darauf geachtet, Kompromisse zu finden. So haben wir trotz Corona Motto-Woche und Abi-Ball organisiert. Der Abi-Ball war zwar kleiner, ohne Eltern, aber sehr schön.

Als 2015 alles begann …

Eichenberg: Ihr habt 2015 mit der Schülerzeitung begonnen. Wart ihr damals noch in der Birkenstraße, in der Außenstelle? Dort habe ich mir gedacht: Wir sind ein Gymnasium und haben keine Schülerzeitung – das kann nicht sein. Also haben wir nicht nur eine Zeitung gegründet, sondern gleich einen Blog. Das war damals ungewöhnlich: eine Schülerzeitung, die nicht mehr auf Papier erscheint, sondern online, immer verfügbar und öffentlich sichtbar. Katharina, du warst von Anfang an dabei. Warum hast du die AG gewählt?

Katharina: Heute studiere ich Deutsch sowie Politikwissenschaft und habe schon damals gerne geschrieben. Mein erster Artikel stellte die neu gegründete „Raabenfeder“ als Blog vor – das war etwas völlig Neues. Kurz darauf habe ich über den Sponsorenlauf im Maschpark berichtet. Ich bin mit Notizblock, Stift und Kamera losgezogen und wusste: Mein Text und meine Fotos werden direkt veröffentlicht und für alle zugänglich sein. Dieses unmittelbare Publizieren war aufregend. Der Artikel ist bis heute online. Rückblickend ist er kurz, aber ich war stolz darauf. Ich bin der “Raabenfeder“ treu geblieben und habe bis zum Abi regelmäßig Artikel veröffentlicht.

Eichenberg: Und du, Rebecca?

Rebecca: Bei mir kam der Einstieg über eine Veranstaltung mit einem Selbstverteidigungskursleiter, der Opfer von Gewalt geworden war. Das hat mich so beeindruckt, dass ich darüber schreiben wollte – und es dann im Blog veröffentlicht habe. Später habe ich eine Theaterrezension geschrieben. Besonders spannend war, dass wir so nicht nur für die Schule geschrieben haben, sondern für ein größeres Publikum. Wir waren wie kleine Journalistinnen: recherchieren, schreiben, veröffentlichen. Später kamen noch Videos und ein Instagram-Account dazu. Es ging nicht nur ums Texteschreiben, sondern um Öffentlichkeitsarbeit im digitalen Raum – und das hat mich fasziniert.

Eichenberg: Katharina, dein prägendster Artikel?

Katharina: Definitiv über Anita Lasker-Wallfisch, die KZ-Überlebende, die bei uns zu Gast war. Diese Zeitzeugin persönlich zu erleben, war unglaublich eindrücklich.

Rebecca: Ja, das war prägender als jeder Geschichtsunterricht. Solche Begegnungen vermitteln Geschichte viel stärker als jedes Lehrbuch. Man merkt: Das ist real, das haben Menschen erlebt.

Raabenfeder wirkt!

Eichenberg: AGs gelten ja oft als „nice to have“, aber nicht als besonders wichtig. Was ist euch von der „Raabenfeder“ geblieben?

Rebecca: Für mich war die Arbeit an der „Raabenfeder“ ein Türöffner. Heute arbeite ich im Landtag Sachsen-Anhalt in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Im Grunde ist das eine direkte Fortsetzung dessen, was wir damals als Schülerinnen im Blog gelernt haben: Inhalte recherchieren, Texte und Posts verfassen, Social Media bespielen, eine Redaktion organisieren. All das habe ich zuerst bei der „Raabenfeder“ gelernt.

Katharina: Auch ich habe viel profitiert. Ich war in vielen AGs, aber die „Raabenfeder“ hat mich besonders geprägt, weil es eben nicht nur eine AG war, sondern eine richtige Redaktion mit einer eigenen Plattform im Netz. Später im Studium habe ich für eine Arbeitsgruppe wieder mit WordPress gearbeitet und mich sofort zu Hause gefühlt. Ich könnte mir vorstellen, später selbst eine Blog-AG anzubieten. Gerade weil man dort frei und kreativ arbeiten konnte – über die Schule hinaus, für alle sichtbar.

Eichenberg: Tablets spielen inzwischen eine große Rolle in Schule und Studium. Wie habt ihr das erlebt?

Rebecca: Ich habe 2018 mein erstes iPad bekommen und damit begonnen, digitale Schulbücher zu nutzen. Anfangs war es noch ungewohnt, weil jede Lehrkraft selbst entschied, ob Tablets erlaubt waren. Aber ich wollte zeigen, dass man damit sinnvoll arbeiten kann. Es gibt auch noch einen Videobeitrag von mir dazu auf unserem YouTube-Kanal.

Tablets in der Schule – bei uns schon vor 4 Jahren ein Thema

Katharina: Heute ist es Standard. In meinem Praktikum plane ich Unterricht oft digital, mit QR-Codes oder Apple TV. Fast alle Schüler:innen haben eigene Geräte, manche leihen sie von der Schule. Das verändert den Unterricht deutlich.

Eichenberg: Seit drei Jahren gibt es Tablet-Klassen, ab Klasse sieben stellt das Land Niedersachsen Geräte. Für uns Lehrkräfte gehört das iPad längst zum Alltag, aber es bringt auch neue Herausforderungen – Stichwort ChatGPT. Wir müssen lernen, wie wir damit umgehen, ohne dass Lernen zur Abkürzung wird.

Rebecca: Gerade AGs sind da wichtig. Dort geht es nicht um Abkürzungen, sondern um das eigene Tun.

Ein Ausblick

Eichenberg: Zum Schluss: Wenn ihr heute noch einen Artikel für die „Raabenfeder“ schreiben würdet – worüber?

Katharina: Über mein Praktikum hier und die Erfahrungen, wieder an der alten Schule zu sein.

Rebecca: Über Kultur. Ich gehe oft in die Oper und finde es schade, dass dort kaum junge Leute sind. Kultur bietet Diskussionsstoff und ist wichtig für Meinungsvielfalt.

Katharina: Eine weitere Idee wäre ein Bücherforum mit Rezensionen – ähnlich wie früher bei den Lesepunkten.

Eichenberg: Schön! Dann enden wir ganz klassisch mit Lesen und Theater. Vielen Dank euch beiden! Ich hoffe, dass ihr bald wiederkommt!

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