Diversitätsworkshop in der 10b

Es ist die zweite Stunde am Freitagvormittag. Auf den Tischen liegen verschiedene Zeitungen und Zeitschriften/Magazine griffbereit. Die Schüler*innen nehmen sich Schere und Kleber und fangen an zu basteln. Anhand von Bildern, Slogans und eigenen Notizen erschaffen sie dabei ihre Vorstellung einer diversen Gesellschaft. Bei dieser Aufgabe ist jedem noch einmal der Einfluss von den Medien, sei es ein Printmedium oder eine Social Media Plattform, auf unsere Sichtweise auf unsere jetzige und unsere ideale Gesellschaft vor Augen geführt worden. Das Fazit? „In den Zeitschriften sind hauptsächlich nur hübsche Frauen zwischen 18 und 35. Diese Schönheitsideale haben einen zu hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft“, so äußern sich mehrere Gruppen.

Diversität – so lautet das Thema des Projekttages der 10 B. Ziel ist es, auf Probleme und Inakzeptanz aufmerksam zu machen und auf eine friedliche tolerante Gesellschaft hinzuarbeiten. In angeregten Diskussionen und kreativen Gruppenarbeiten entstehen dabei bunte Collagen und Tafelbilder. Fragen werden beantwortet, Begriffe erklärt. Die eingeladene Referentin Madalina Sundh, eine evangelische Pastorin, welche sich für offen gelebte Diversität einsetzt, legt den Schwerpunkt neben der allgemeinen Sensibilisierung zusätzlich auch auf den Bezug zur Schule. So sind in jeder Klasse statistisch ein bis zwei queere Jugendliche. Jedoch bleiben diese in der Schulgemeinschaft häufig unsichtbar, bis sie sich outen oder geoutet werden – oder werden offen diskriminiert und gemobbt. „Die Angst vor dieser Diskriminierung ist der Grund, weshalb queere Jugendliche sich oft verstecken und als cis/hetero ausgeben, und das sollte nicht sein.“, so Madalina Sundh. Auch Lehrkräfte sind häufig an der Diskriminierung beteiligt oder unternehmen nichts dagegen.

Gender Unicorn

Bei dieser Mitmachaktion durften sich die Schüler*innen je nach Belieben einen der auf den grünen Zetteln stehenden Begriffe nehmen oder einen Begriff hinzufügen und diesen dann zu einer der vier Sprechblasen des sogenannten Gender Unicorns legen. Danach wurden sämtliche Begriffe noch einmal durchgegangen und besprochen, um niemanden mit ungeklärten Fragen zurückzulassen. In dieser Fragerunde ist man, wie auch im restlichen Workshop, absolut offen und so einfühlsam wie möglich aufeinander eingegangen. Denn ein vorschnelles Verurteilen führt oft zu Misskommunikation und daraus resultierenden Vorurteilen.

Diversitätsworkshop

Am Ende dieses Workshops gab es dann noch kleine Mitbringsel, wie kostenlose Regenbogensticker und -anstecker, sowie Broschüren und Bücher zum Thema rund um Diversität. Aber warum Sticker oder Anstecker? Es bringt unglaublich viel, Flagge zu zeigen, und zwar nicht nur mit großen Regenbogenfahnen, sondern auch im Alltag, sei es mit Stickern, Ansteckern oder sonstigem.

Wir ziehen im Allgemeinen ein sehr positives Fazit aus diesem Workshop, denn er zeigt insbesondere die offenen Probleme für queere Menschen in diesem Schulsystem und hilft uns allen, angemessener auf diese Herausforderungen zu reagieren. Er ist somit eine gute Unterstützung in puncto Sensibilisierung und Diversitätsförderung, er sollte jedoch nicht das einzige Standbein dafür sein, sondern in einem Gesamtpaket mit Maßnahmen und Workshops angeboten werden. Sonst wirkt er nur wie ein Tropfen auf den heißen Stein.

Sophie Sonnenschein und Livia Röseler aus der 10B