Demokratie: Das zerbrechliche Fundament-was es bedroht und warum es jeden von uns angeht

Demokratie ist ein prägender Aspekt unserer Gesellschaft und kaum noch wegzudenken. In einer Reihe von Interviews, mit Lehrern und Schülern an unserer Schule wird deutlich, dass sie ein Gut ist, dass zu schützen ist und stärker bedroht ist, als wir meist glauben. Viele sehen sie vor allem von digitalen Seiten bedrängt und betonen gleichzeitig mit ihren Antworten den Grund, warum es sich für sie zu kämpfen lohnt. Dieser Artikel ist das Ergebnis einer Reihe von Interviews mit Fragen zum Demokratieverständnis, einer Bestandsaufnahme der Ängste und eine Erinnerung an den Wert, den wir zu schützen haben.


Die größten Gefahren für die Demokratie
Die Auswertung der Gespräche zeigt, dass für die Befragten (sowohl Lehrer als auch Schüler), die Meinungsfreiheit und das Mitspracherecht am wichtigsten in einer Demokratie sind. Ebenso ist für viele die politische Partizipation sehr wichtig, was vor
allem bei den Schülern oft erwähnt wurde. Als größte Gefahren sehen die Befragten Lehrerinnen vor allem eine Radikalisierung und die Unterdrückung der Meinungsfreiheit. Die Schülerinnen hingegen sehen neben Einschränkungen der Grundrechte, ebenso die Verbreitung von Desinformationen (Fake News) und Populismus als eine große Gefahr. Ebenso haben wir die Befragten im Rahmen der Interviews gefragt, wie stark sie die Bedrohung von Rechts-/Links Extremismus wahrnehmen. Lehrer und Schüler nahmen beide, vor allem eine große Gefahr vom Rechtsextremismus wahr und ebenfalls fiel einigen Lehrern auf, dass die Wahlergebnisse immer weiter in die Randbereiche rutschen, womit sie dies begründen. Die Gefahr vom Extremismus ist, dass er die Demokratie gezielt bedroht und vor allem den Meinungsaustausch
einschränkt. Die Befragten gaben ebenfalls an, dass die Ideologien von Extremen die Gesellschaft spaltet und gegeneinander ausspielt. Durch die Verbreitung von Ideologien besteht die Gefahr, dass es zu einer Radikalisierung der einzelnen Gruppen kommt, was die Demokratie in ihrem Fundament bedroht. Ebenso kann sich dadurch bei vielen ein fehlendes Vertrauen in die Demokratie entwickeln.


Sprache: Macht und Wirkung im Schulalltag
Eine große Wirkung auf die Politik hat unsere Sprache. Sie ist allgegenwärtig und kann gezielt genutzt werden, um Massen zu beeinflussen und Gespräche zu lenken. Sprache ist ein sehr wichtiger Faktor in Themen wie Toleranz und Vielfalt. Sie wird jedoch oft auch als Instrument genutzt, um politische Wahrnehmungen zu verstärken oder bestimmte Absichten hervorzuheben.
Besonders nach Ansicht der Lehrer wird Sprache im politischen Diskurs genutzt, um bestimmte Personengruppen gezielt zu beeinflussen. Ein aktuelles Beispiel ist die gendergerechte Sprache. In den Gesprächen mit den Lehrkräften wurde deutlich, dass alle versuchen, auf dieses Thema Rücksicht zu nehmen, sodass sich alle angesprochen fühlen. Aber auch im Bezug auf „neurechte“ Sprache wurde klar, dass besonders auf die Sprache von Jugendlichen geachtet werden sollte. Dabei muss unterschieden werden, ob es sich bei der Ausdrucksweise von Schülern um Provokation oder Unwissen handelt.
Doch wie bewusst sind wir uns im Schulalltag über Macht und Sprache? Forschungen der Neurolinguistik belegen, dass schon die Erwähnung eines Wortes den frontalen Kortex ähnlich aktiviert, als würde die Person die beschriebene Handlung selbst ausführen. Sprache kreiert ständig kleine, oft unbewusste Handlungsszenarien. Im Unterricht – besonders in Deutsch, Politik und Fremdsprachen – sollte daher bewusstes Sprechen und aktives Zuhören gefördert werden. Vielen Schülern, besonders jüngeren, fällt es schwer, aufmerksam zu bleiben. Das macht sie anfälliger für destruktive Sprache und Fake-News. Eine klare Debattenkultur im Klassenraum, mit verlässlichen Regeln und der Verteidigung demokratischer Grundwerte, ist die Basis, um demokratisches Diskutieren zu lernen.


Die Rolle von Social Media und Big-Tech
Die Befragten sagten ebenfalls alle, dass Social Media einen sehr großen Einfluss hat. Über Social Media werden am schnellsten Meinungen verbreitet und prägen genauso politische Debatten. Social Media gibt die Möglichkeit der Mitsprache für jeden und gibt einen Anreiz für Diskussionen. Eine Gefahr die die Befragten jedoch auch fast immer angaben, war die Verbreitung von Fake News und die Nutzung als mittel für Populismus, was ebenfalls eine Gefährdung der Demokratie darstellt. Fakt ist, dass Social Media oft einen größeren Einfluss auf uns haben kann als wir selbst wahrnehmen, doch es
kann uns auch mit neuen Ideen zu neuen Meinungen und Ansichten führen. Dies lenkt jedoch nicht von der Tatsache ab, dass dies oft durch Algorithmen verhindert wird, da dieseoft nur das Vorschlagen, was in ein gewisses Bild passt, welches der Algorithmus von dem Nutzer hat. Sollte man also Posts oder Videos liken und/oder teilen, werden einem öfter Posts und Videos mit ähnlicher Aussage öfter vorschlagen. Macht, Einfluss und Geld spielen ebenfalls eine Rolle in der Politik. Große Unternehmen und Persönlichkeiten nutzen ihren Einfluss, um auf Ereignisse aufmerksam zu machen und einen politischen Weg durchzusetzen. Sie unterstützen Parteien durch Spenden und vor allem Tech-Unternehmen können besonders stark Einfluss nehmen. Einige der befragten Schülerinnen sehen dies vor allem durch die Existenz der Lobbyarbeit. Die Big-Tech-Unternehmen nehmen durch die Algorithmen großen Einfluss auf die politische Meinungsbildung im digitalen Raum. Die Schülerinnen sprachen vor allem den
Einfluss auf demokratische Prozesse durch Beeinflussung des Informationsflusses an. Als Lösungsvorschlag wurde oft die Förderung der Medienkompetenz angesprochen und eine strengere Regulierung und Einschränkung des Einflusses. Dies solle durch Aufklärung und Regelungen für Unternehmen erfolgen. Einige der Befragten schlugen auch vor die Neutralität der Unternehmen zu kontrollieren, um so Einfluss und mögliche Lobbyarbeit zu verhindern. Zu diesem Punkt – dem Schutz der
Demokratie vor Big-Tech – gab es jedoch auch die Aussage, dass dies schwer bis gar nicht möglich sei, ohne das Grundrecht der Meinungsfreiheit einzuschränken. Ebenso würde dies immer vorkommen solange es Menschen gibt, die ein gewisses Ansehen in der Gesellschaft haben.


Bewusstsein und Handlungsauftrag
Alles in allem führen die Interviews zu dem Ergebnis, dass sowohl Lehrer als auch Schüler sich der Gefahr für die Demokratie bewusst sind. Als größte Gefahren gelten Extremismus, digitale Desinformation, der Einfluss von Big-Tech und der manipulative Einsatz von Sprache.
Der Schutz der Demokratie erfordert gemeinsames Handeln: eine geordnete Diskussionskultur, die Stärkung der Medienkompetenz, die bewusste Reflexion von Sprache und den mutigen Einsatz für unsere Grundwerte – und auch besonders im Schulalltag.

Der Artikel wurde geschrieben von Oskar, Livia, Philipp und Kris aus der Q2 der Wilhelm-Raabe-Schule Hannover.

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