Internationaler Tag der Pressefreiheit: Ein weltweiter Weckruf

Mit dem Internationalen Tag der Pressefreiheit wird seit 1994 jährlich am 3. Mai auf Verletzungen der Pressefreiheit sowie auf die grundlegende Bedeutung freier Berichterstattung für Demokratien aufmerksam gemacht. Das Datum erinnert an den Jahrestag der Deklaration von Windhoek am 3. Mai 1991, in der afrikanische Journalistinnen und Journalisten freie, unabhängige und pluralistische Medien auf dem afrikanischen Kontinent sowie weltweit forderten. Auch dieses Jahr – 2025 – wurde dieser Tag begangen.

Jedes Jahr veröffentlichen die Reporter ohne Grenzen zum Tag der Pressefreiheit ein Ranking der Pressefreiheit in verschiedenen Ländern. Dieses Jahr sieht das Ranking wie folgt aus:

Quelle: Reporter ohne Grenzen
Quelle: Reporter ohne Grenzen

Wie bewertet RSF die Pressefreiheit?

Reporter ohne Grenzen bewertet die Pressefreiheit weltweit anhand eines umfassenden Kriterienkatalogs. Grundlage ist der jährlich veröffentlichte Weltpressfreiheitsindex, der auf folgenden fünf Hauptindikatoren basiert:

1. Politischer Kontext

Unabhängigkeit der Medien von politischen Einflüssen Gewalt oder Drohungen gegen Journalist:innen durch staatliche oder politische Akteure Einfluss von Propaganda oder Desinformation Zensur und Selbstzensur

2. Rechtlicher Rahmen

Recht auf freie Meinungsäußerung in der Verfassung und dessen Umsetzung Mediengesetze, Zensurgesetze, Strafverfolgung von Journalist:innen Zugang zu Informationen und Transparenz öffentlicher Institutionen Schutz journalistischer Quellen

3. Wirtschaftlicher Kontext

Medienvielfalt im Eigentum (Konzentration von Medienbesitz) Wirtschaftlicher Druck auf Redaktionen Einfluss von Werbung oder staatlichen Subventionen Existenzbedingungen für unabhängige Medien

4. Soziokultureller Kontext

Gesellschaftliche Unterstützung für Pressefreiheit Geschlechtergerechtigkeit im Journalismus Einfluss von Religion, Traditionen oder gesellschaftlichen Normen auf die Medienarbeit Bedrohungen durch nichtstaatliche Akteure (z. B. Clans, extremistische Gruppen)

5. Sicherheit

Gewaltakte gegen Journalist:innen (z. B. Mord, Entführung, Folter) Einschüchterung, Überwachung, willkürliche Verhaftungen Straflosigkeit bei Verbrechen gegen Journalist:innen Bedrohungslage für ausländische oder investigative Reporter:innen

Datengrundlage

Fragebögen an Partnerorganisationen, Journalist:innen, Akademiker:innen und Menschenrechtler:innen weltweit Daten zu Übergriffen, Inhaftierungen oder Morden aus dem eigenen RSF-Monitoring

Der Index bewertet 180 Länder auf einer Skala von 0 (sehr schlecht) bis 100 (sehr gut). Die Bewertung ergibt ein Gesamtbild darüber, wie frei Journalist:innen in einem Land arbeiten können.

Die Weltkarte der Pressefreiheit

Die Weltkarte der Pressefreiheit gibt einen Überblick über die Punktzahlen aller in der

Rangliste aufgeführten Länder. Die Farben werden je nach Punktzahl wie folgt vergeben:

• 85–100 Punkte: gute Lage (grün)

• 70–85 Punkte: zufriedenstellende Lage (gelb)

• 55–70 Punkte: erkennbare Probleme (hellorange)

• 40–55 Punkte: schwierige Lage (dunkelorange)

• 0–40 Punkte: sehr ernste Lage (dunkelrot)

Wie ist die weltweite Lage der Pressefreiheit?

Weltweit wird die Situation der Pressefreiheit ernster. Für 2025 stuft RSF die Lage der Pressefreiheit in 90 von 180 beobachteten Ländern als „schwierig oder „sehr ernst“ ein.

Nicht nur die Sicherheitslage, sondern vor allem der ökonomische Druck belasten die Pressefreiheit. Medien müssen sowohl redaktionell unabhängig als auch wirtschaftlich überleben. Autokraten treiben den unabhängigen Journalismus in den Ruin, damit Propaganda und Desinformation nicht ans Licht geraten.

Das Podium der Pressefreiheit wird dieses Jahr von folgenden Ländern belegt:

• Platz 1: Norwegen

• Platz 2: Estland

• Platz 3: Niederlande

Insgesamt wird die Pressefreiheit in nur sieben Ländern als „gut“ bewertet.

Auf den letzten Plätzen befinden sich folgende Länder:

• Platz 178: China

• Platz 179: Nordkorea

• Platz 180: Eritrea

Unabhängige Berichterstattung ist in diesen Ländern nicht möglich, da die Regierung dies systematisch unterbindet.

Deutschland nicht mehr in den Top 10

Deutschland ist dieses Jahr auf Rang 11 gefallen (2024: Rang 10). Auch wenn Deutschland international vergleichsweise gut dasteht, wird auch hier die Pressefreiheit zunehmend ernster: Vor allem Journalisten, die über Rechtsextremismus und Parteien wie der AfD berichten, sind gefährdet. Es wird von Feindmarkierungen, Bedrohungen, Beleidigungen und Angst vor körperlicher Gewalt berichtet.


Quellen: Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), Wikipedia, Reporter ohne Grenzen

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